Geschichte

1900 verlies der Mechaniker Hynek Puc die Firma Lokesch und Sohn aus Holešovice und gründete dortselbst eine eigene Werkstatt für die Fertigung von Regalschildern, Metallzwecken und Weihnachtsbaumschmuck.

Im Juli 1902 trat Jindřich Waldes, ehemaliger Handelsvertreter des Lokesch-Werks bei und gemeinsam gründen sie eine offene Handelsgesellschaft. Die Firma produzierte kleine Metallwaren. In der Werkstatt arbeiteten mit ihnen ein Werker und ein Lehrling. Am Ende desselben Jahres zog die Produktion in das angemietete Gebäude des ehemaligen Kerzenwerks in Karlín um. Damals trat ein dritter Gesellschafter zur Gesellschaft bei – der Geschäftsmann Eduard Merzinger, der 20.000 österreichische Kronen, die er im Lotto gewann, in das Unternehmen einbrachte.

Der wichtigste Produktionsartikel dieser Werkstatt war der sehr modische Druckknopf und eben ihm verdankt die Firma für ihren fast schwindelerregenden Aufstieg. Durch Wettbewerber wurde der Druckknopf durch ein komplizierteres Verfahren produziert, in dem manuelle Operationen überwogen. Durch die durch Hynek Puc 1903 konstruierte automatische Maschine wurde die manuelle Montage des Druckknopfs mit Pinzette durch maschinelles Einlegen der Feder in den Federteil des Druckknopfs ersetzt, was eine beträchtliche Produktionserhöhung ermöglichte. Diese stieg mit einem solchen Tempo, dass schon nach drei Jahren ab Produktionsbeginn der Patentknöpfe die bestehenden Räumlichkeiten nicht ausreichten. Daher wurde die Produktion 1907 in eine neue Fabrik in Vršovice verlagert. Zeitbezogen war das Werk sehr fortschrittlich gelöst: hohe und luftige Räumlichkeiten, Umkleideräume für Frauen und Männer, Bad, Bibliothek, Turnsaal und ein Park mit Bänken und Turngeräten um die Fabrik herum. Mit der Modernisierung des Werks stieg auch das Tempo der Produktion, und zwar vor allem dank den sich ständig vervollkommnenden Maschinen und Werkzeugen, die im Werk selbst konstruiert wurden, und die die Fabrik technisch zum führenden Produzenten von leichten Metallwaren machten. Wie fortschrittlich die Konstruktion dieser Maschinen war, wird u.a. eben durch die automatische Einlegemaschine nachgewiesen. Diese Maschine genügt nach wenigen nicht grundsätzlichen Anpassungen auch den heutigen, sehr anspruchsvollen Anforderungen an die Produktion. Dasselbe gilt auch für zahlreiche Stufenwerkzeuge, deren Konstruktion selbst durch die Entwicklung in vielen Jahrzehnten nicht überholt wurde.

Der Geschäftsmann Jindřich Waldes benannte den Druckknopf KOH-I-NOOR – nach dem angeblich größten Diamanten der Welt, der 186 Karate wog. Eine alte Sage erzählt, dass der gleichnamige Edelstein ins Auge eines altindischen Gottes eingelegt wurde. Als die persischen Eroberer den Edelstein das erste Mal gegen die Sonne sahen, riefen sie „KOH-I-NOOR“ („ein Berg von Licht“). So entstand also sein Name. Nach vielen Abenteuern, die mit Morden, Foltern und Gefangenschaft seiner Besitzer bekam ihn die englische Königin Viktorie geschenkt. Der Diamant wurde in der königlichen Juwelierwerkstatt umgeschliffen (sein Gewicht sank auf 106 Karate) und ist in der Krone der englischen Königin eingesetzt.

Die Benennung des Patentdruckknopfs war einer der hervorragenden Manager- und strategischen Züge von Herrn Waldes.

Die Abbildung des Patentknopfes mit ausgeprägten Buchstaben K-I-N wurde als Handelsmarke verwendet, mit der die Firma auf ausländische Märkte expandierte (Filialengründung in Dresden – J. 1904, Warschau – 1908, Paris – J. 1911, New York – J. 1912). Eben für die Werbecampagne in den Vereinigten Staaten entstand das weltweit bekannte Firmenlogo „MISS KIN“ – das Bild eines Mädchens mit einem KOH-I-NOOR-Patentknopf statt des Auges. Es tradiert sich, dass das Logo auf dem Bord eines Ozeanschiffes bei der Fahrt nach Amerika entstand, wo sich eine der Mitreisenden gut gelaunt ein Werbemuster eines vergrößerten Patentknopfes statt des Einglases auf das linke Auge aufsetzte. Für Waldes war dieser lustige Streich eine sofortige Inspiration. Er fotografierte das Mädchen und seine Freunde – der Maler František Kupka und Vojtěch Preissig machte MISS KIN zum neuen Logo.

Der Aufschwung der Firma Waldes a spol. wurde durch die deutsche Okkupation im Jahre 1939 unterbrochen. In dieser Zeit wurde die Fabrik nach ihrem Hauptprodukt auf KOH-I-NOOR umbenannt.

Den Aufstieg des Betriebs unterbrachen die Okkupation und die Arisierung von jüdischem Eigentum im Jahr 1939. Der Leitung der Betriebe nahmen sich s.g. Treuhänder an. Das Werk in Prag wurde in die Kriegsmaschinerie des Reiches eingespannt, in der Belegschaft schwelte jedoch der Widerstand gegen die Okkupanten. Es kam zu Sabotageaktionen, im Jahr 1940 vernichtete ein Feuer den oberen Gebäudeteil der mechanischen Werkstätten.

Im Mai 1945 übernahm die Verwaltung des Betriebs ein in der Illegalität errichteter Revolutionsausschuss, ab Oktober des gleichen Jahres wurde der Betrieb verstaatlicht. Während der nachfolgenden zwei Jahre wurden weitere verstaatlichte Betriebe im Grenzgebiet eingegliedert. Zum Ende des Jahres 1948 hatte Koh-i-noor, verbundener metallverarbeitender Betrieb, Nationalbetrieb Prag, insgesamt 45 Produktionswerke.
Trotz der ungünstigen Umstände, mit denen der Betrieb rang (als typischer Vertreter einer Produktion der Leichtindustrie konnte er nicht mit Entwicklungsfonds aus dem Staatshaushalt rechnen), entwickelte er sich auch weiterhin und erhöhte Jahr für Jahr das Produktionsvolumen. Die Ausfuhr seiner Produkte richtete sich in 80 Länder der Welt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten zum Stammbetrieb in Prag drei Zweigbetriebe in Budyně nad Ohří, Mladá Vožice und in Kadaň. Der Nationalbetrieb Koh-i-noor war einer der größten Hersteller von Gebrauchswaren des Maschinenbaus in der Nachkriegszeit in der ČSSR.
Das Stammwerk des Betriebs KOH-I-NOOR in Prag wurde ein direkter Nachfolger der Firma Waldes a spol. Auf dem Gelände dieses Betriebs wurde auch ein technologisches Werk errichtet, das die Produktion von Maschinen und Anlagen, Werkzeugen, Vorrichtungen und Formen nicht nur für den Eigenbedarf absicherte, sondern auch für externe Aufträge. Dem Nationalbetrieb Koh-i-noor wurde im Jahr 1967 die höchste Auszeichnung ORDEN DER ARBEIT erteilt und im gleichen Jahr erhielt der Betrieb als erster in der Republik den Tschechoslowakischen Friedenspreis.

Nach dem Jahr 1980 löste der Betrieb Koh-i-noor bedeutende Organisations- und Fertigungsprobleme, die mit der Einschränkung der Materialressourcen, der Verringerung des Mitarbeiterstandes und der Verstärkung der Produktion für die finale Absatzkategorie zusammen hingen. Zu den Hauptzielen der Entwicklung des Betriebs gehörte die schrittweise Modernisierung der Produktionsbasis, die Vertiefung des Einflusses der technischen Entwicklung in allen Tätigkeitsbereichen des Betriebs - insbesondere in der Verringerung des Arbeitsaufwands und des Material- und Energieverbrauchs und die Innovation des Fertigungsprogramms. Nach dem Jahr 1985 wurden den einzelnen Betrieben des Betriebs Koh-i-noor neue Fertigungsprogramme bestimmt.